Gabi Reinmann

Hochschuldidaktik

Aus der Reihe tanzen

Wenn ich so darüber nachdenke, was rückblickend für das Jahr 2021 berufliche Lichtblicke waren, dann fallen mir schon ein paar Dinge ein, aber eines ist ganz weit vorne: die Lehre in unserem Master Higher Education (MHE). Dieser Studiengang ist freilich kein „normaler“ – er tanzt gleich an mehreren Stellen aus der Reihe: Es handelt sich im einen „kurzen“ Master, weil er nur 60 Credit Points umfasst (mit Auswirkungen auf die Zulassungsvoraussetzungen); er ist berufsbegleitend und wird nicht etwa pandemiebedingt, sondern grundsätzlich als Online-Studiengang angeboten. Das herausragendste Merkmal aber ist die Diversität unserer Zielgruppe.

Man kann sich jedes Semester für den MHE bewerben; wir haben also stets zwei neue Kohorten in einem akademischen Jahr. Und jede dieser Kohorten ist bisher in hohem Maße heterogen zusammengesetzt: Wer den MHE studiert, kommt keineswegs nur aus den Bildungswissenschaften. Immer haben wir auch Personen, die bereits eine Naturwissenschaft, Informatik, Mathematik oder eine Ingenieurswissenschaft studiert, ein juristisches oder medizinisches Saatsexamen absolviert oder ein künstlerisches, geistes- oder sozialwissenschaftliches Fach abgeschlossen haben. Unsere Studierenden sind nebenher als Lehrpersonen an Hochschulen (auf allen Statusebene) tätig oder in Einrichtungen, die auf irgendeine Weise die Lehre unterstützen.

Damit trifft eine enorme Vielfalt an paradigmatischen Hintergründen, Forschungsauffassungen und wissenschaftlichen wie auch lehrbezogenen Erfahrungen zusammen, die mir jedes Semester aufs Neue Respekt einflößt: Wie gut oder schlecht werden wir und werde ich mit dieser Diversität umgehen können? Wie leicht oder schwer werden die „Neulinge“ selbst mit den Unterschieden zurechtkommen? Und doch klappt genau das bislang erstaunlich gut und gehört wohl zu den Besonderheiten des MHE.

Für die Ziele und Inhalte des MHE ist die skizzierte Diversität – ich sage mal – ein Geschenk: Denn auch in der Praxis der Hochschulbildung treffen verschiedenste Fachkulturen und damit höchst unterschiedliche Denk- und Handlungsweisen zusammen, die zwar durch eine akademische oder wissenschaftliche Klammer zusammengehalten werden, deren Kraft aber weniger ausgeprägt ist als man mitunter vielleicht glauben möchte: Es gibt an Hochschulen und anderen akademischen Einrichtungen viele auseinanderstrebende Kräfte, und je mehr wir die auch im Studiengang durch die Menschen, die diesen lebendig werden lassen, erlebbar machen können, umso besser sollte das letztlich für die „Sache“ sein, um die es uns geht: nämlich das Verstehen und Gestalten von Hochschulbildung. Für mich, die ich im MHE lehre und ihn als wissenschaftliche Leitung verantworte, bedeutet dieser Studiengang ein permanenter Lernprozess: Nie gleicht ein Semester dem anderen, die Diversität der Zielgruppen ist jedes Mal erneut eine Herausforderung bereitet aber interessanterweise sehr viel Freude – und deswegen kommt mir der MHE auch als erstes in den Sinn, wenn ich die hellen Uni-Momente in 2021 suche.

Der nächste Bewerbungsschluss ist übrigens schon bald, nämlich am 15. Januar 2022. Wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn auch für das Sommersemester 2022 eine „bunte Gruppe“ mit dem MHE beginnt.

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